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Todesboten: Linksabbieger und Geisterradler

Verkehrsplaner versuchen emsig, den Straßenverkehr sicherer zu machen. Intelligente Ampeln, neue Schilder, ausgetüftelte Verkehrsführungen und vieles mehr. Und dennoch kracht es in Deutschland weiterhin wie am Fließband.

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Auf Kopenhagens Straßen kracht es deutlich weniger als im EU-Durchschnitt! / wikipedia/Orsson

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Linksabbiegen überfordert viele Verkehrsteilnehmer.
(C) Berufsfeuerwehr München

Gefährliche Kreuzungen

Jedes Jahr verunglücken auf deutschen Straßen fast 400.000 Menschen – davon 3.600 tödlich. Zu den gefährlichsten Orten zählen Straßenkreuzungen. Denn hier trifft sich alles: Autos, Brummis, Motorräder, Radfahrer und Fußgänger; Eilige und Bedächtige; Jung und Alt. Dazu hat jede Kreuzung noch ihre speziellen Eigenarten. Kein Wunder also, dass jeder zweite Unfall in Städten an einer Kreuzung passiert. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen Ablenkung, Unaufmerksamkeit und schlechte Sicht.
 

Risiko Linksabbieger

Vor allem das Linksabbiegen ist tödlich: Statistisch gesehen stirbt jeden zweiten Tag ein Mensch an den Folgen eines Linksabbiegemanövers. Denn viele Autofahrer überfordert es schlicht, die eigene Fahrlinie, den Gegenverkehr sowie querende Radfahrer und Fußgänger gleichzeitig im Auge zu behalten - zu analysieren, zu bewerten und dann noch rechtzeitig zu reagieren. Die Lösung wäre, nach Ansicht führender Verkehrsforscher, eigene Grünphasen für Linksabbieger an großen und stark befahrenen Kreuzungen.



Info
Wer als Linksabbieger nicht mehr rechtzeitig vor dem Umschalten der Ampel auf Rot von der Kreuzung gekommen ist, hat dabei dennoch grundsätzlich Vorrang vor dem querenden Verkehr. Allerdings muss man beim Weiterfahren besondere Vorsicht walten lassen und sich dem Querverkehr durch Signale und Handzeichen mitteilen. Denn wer sich auf die Vorfahrt verlässt und blind losfährt, haftet im Falle eines Unfalles selbst.

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Verkehrsexperten fordern: Radfahrer müssen auf die Straße! (C)wikipedia/Orsson

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Vorbildlich: Neue Radwege in München. (C) ADFC

Falle Radweg

Radwege sind eigenartige Gebilde. Die meisten Radfahrer fühlen sich auf Ihnen sicher und fordern mehr Radwege. Den Verkehrsplanern dagegen sind sie ein Graus. Sie würden am liebsten alle Radwege abschaffen und dafür breitere Straßen bauen, auf denen die Radfahrer immer im Blick der Autofahrer sind. Radwege gelten als Relikte aus den Siebzigern, als die Verkehrsplaner hauptsächlich den motorisierten Verkehr im Fokus hatten, den sie von Fußgängern und Radfahrern trennen mussten. Der Berliner Verkehrsplaner Brockmann warnt vor dem trügerischen Gefühl der Sicherheit. Denn, wer von Anfang an im Blickfeld der Autofahrer ist, gerät an der Kreuzung weniger in einen Konflikt, als wenn er für den Autofahrer plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht.

Risiko Geisterradler

Zwei von zehn Radfahrern sind auf dem Radweg in der falschen Richtung unterwegs. Das schlägt sich deutlich in der Unfallstatistik nieder: Darin machen Kollisionen zwischen links fahrenden Radfahrern und abbiegenden Autos ein Drittel aller Unfälle an Kreuzungen aus - vor allem dort, wo der Radweg von der Fahrbahn getrennt verläuft. In allen Großstädten, von Hamburg über Berlin bis München, ist die Benutzung des Radweges in der falschen Richtung somit eine der Hauptursachen für Unfälle mit anderen Radfahrern, Autos und Fußgängern.
Zur Ehrenrettung muss man jedoch eine Studie zitieren, die betont, dass Radfahrer auch viel zur Deeskalation beitragen, indem sie beispielsweise vor Kreuzungen langsamer fahren (60 Prozent) und sich das eigene Verhalten häufig nach dem abbiegenden Autoverkehr richtet (50 Prozent).



Info
Radfahrer und Fußgänger sind insgesamt zwar nur an 5 Prozent aller Unfälle beteiligt, doch diese haben es in sich. Denn 75 Prozent aller Unfalltoten in den Städten waren Fußgänger oder mit dem Fahrrad unterwegs.

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Grosser Stern in Berlin:Größter Kreisverkehr Deutschlands! (C) wikipedia.commons

Tops und Flops im Straßenverkehr

Top: Die Umwandlung vieler Kreuzungen in einen Kreisverkehr konnte viele Unfallschwerpunkte deutlich entschärfen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Autofahrer dort relativ langsam fahren und zudem nicht links abbiegen können.
Allerdings gilt die positive Bilanz nur für einspurige Kreisverkehre. Mit jeder Spur mehr schwindet der positive Effekt dramatisch. In Berlin, beispielsweise, zählt der große Stern – ein Kreisverkehr mit drei Spuren - zu den Unfallschwerpunkten in Deutschland.

Flop: Der grüne Pfeil an der Kreuzung hat sich als wenig hilfreich erwiesen und wurde flächendeckend wieder abgeschafft. Es kam wegen der Regelung immer wieder zu Auffahrunfällen aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeiten. Ortskundige Fahrer nutzen rasant das schnelle Abbiegen, während Ortsfremde langsamer fuhren und sogar anhielten.

Info
Ein Drittel aller tödlichen Unfälle passiert nachts aufgrund abgeschalteter Ampeln. Das Fehlen von Verkehrssignalen scheint zum Rasen zu verleiten. Experten raten daher, die Ampeln an zu lassen – dafür mit sehr kurzen Rot-Phasen.

Artikel: Stefan Benaburger



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